Gesellschaft

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George Grosz: Republikanische Automaten

Wie es sich für eine Online-Zeitschrift für Gesellschaftskritik gebührt, bildet die Rubrik Gesellschaft ihr Zentrum. Alles Programmatische dazu, ist in den „Thesen zu einer anderen Gesellschaft“ auf unserer Thesenseite gesagt. Hier geht es vor allem um die strukturelle Analyse aktueller sozialer Phänomene und auf deren Basis zugleich um die Weiterentwicklung der eigenen Gesellschaftskritik. Schließlich ist in den letzten Jahren einiges in Bewegung geraten. Die Widersprüche und Gegensätze spitzen sich zu: Reich gegen Arm, Norden gegen Süden, Ansässige gegen Migranten, Nationalisten gegen Multilaterale, Vertreter des Industrialismus gegen Umweltaktivisten, Alt gegen Jung – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Immer verbissener und brutaler, immer aggressiver nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ klammern sich die Herrschenden an ihre Positionen und Privilegien. Wir verstehen das nicht in spießbügerlicher Manier als Vorzeichen des bevorstehenden Weltuntergangs, den sie auch bereit wären, in Kauf zu nehmen, sondern als Anzeichen dafür, dass die Verteidiger und Profiteure des status quo in Bedrängnis geraten, weil er nur noch mit zunehmender Gewalt aufrecht zu erhalten ist. Allzu naiv wäre es anzunehmen, eine grundlegende Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse sei ohne harte Auseinandersetzungen zu haben und die Agenten der bestehenden würden aus Einsicht ins bessere Argument sich ins Vernünftige fügen. Die Verschärfung der Gegensätze, die Verhärtung der Fronten begreifen wir dementsprechend als Momente einer Bewegung, in der sich nicht nur die Spreu vom Weizen trennt, sondern auch neue Koalitionen entstehen. Letzteres mag zwar zunächst irritieren und es mag so wirken, als ob die Unübersichtlichkeit dadurch zunähme, tatsächlich trägt es unserer Überzeugung nach dazu bei, dass sich neue Möglichkeiten ergeben und sich die Verhältnisse aufklären. Die Mauer, von der auf unserer Programmseite die Rede ist, bekommt immer deutlichere Risse. Es wird möglich, durch sie hindurch zu schauen. Es ist die Aufgabe der Gesellschaftskritik, den Blick zu wagen.

 

Blogbeiträge:

  • Bundesligacoronaorgie

    Anfang der Woche warnte die Kanzlerin vor „Öffnungsdiskussionsorgien“. Mit dem sonderbaren Wortungetüm wollte sie wohl eher darauf anspielen, wie zügellos als wie lustvoll die Debatte um sogenannte Lockerungen der Coronabeschränkungen geführt werde.

  • Die heilsame Wirkung des Coronavirus

    Deutschlandfunk, die Sendung „Forschung aktuell“ am 7.2.2020, Volker Wildermuth berichtet davon, dass vor einigen Tagen erste Proben von bayrischen Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, am Institut für Virologie der Charite´ in Berlin eingegangen seien. Dort wird nun in einem Hochsicherheitslabor das Virus isoliert, Grundlage dafür, dass es selbst und seine Wirkungsweise erforscht ...

  • Ökonomie des Mobilfunks – 3 mangelhafte statt eines flächendeckenden Netzes

    Geschichten, die der Kapitalismus schreibt. Eine Kolumne von Klein-Dombrobski Die armen Politiker haben es mit ihren unvernünftigen Bürgern nicht leicht – wie beim Aufbau von Windrädern, so auch bei dem von Funkmasten. “Alle wünschen sich eine leistungsstarke und flächendeckende Mobilfunkversorgung. Aber mitunter scheitert der Ausbau von Standorten für Mobilfunkmasten an Widerständen vor Ort.” So heißt es ...

  • Pragmatische Rechtsprechung oder schwarze Pädagogik?

    Zum Urteil des Bundesverfassungsgericht zu den Sanktionsregelungen in den Hartz-Gesetzen Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen. Wie so oft hat es ein klares Urteil vermieden und sich differenziert und verschiedene Rechtsgüter abwägend auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zurückgezogen. Es hat die Sanktionierung von Hartz-IV-Empfängern, die nicht angemessen mit ihrer Arbeitsagentur kooperieren, von über 30% des Regelsatzes ebenso wie ...

  • Vom Kampf gegen Windmühlen

    Erst im September hatte der Wirtschaftsminister zum Windenergiegipfel geladen. Denn der Ausbau der Windenergie stockt und zwar in so bedenklichem Maße, dass bereits existierende Kapazitäten zur Produktion von Windrädern in großem Stil abgebaut werden. So berichtet Silke Hahne im Deutschlandfunk erst vor einigen Tagen davon, dass in den ersten 9 Monaten dieses Jahres 500 Megawatt ...

  • Von der Ideologie des nationalistischen Antikapitalismus

    Man soll es nicht glauben: Im Deutschlandfunk, unserem Nationalsender, wird am Sonntag morgen eine halbe Stunde vor der üblichen Übertragung irgendwelcher Gottesdienste, also zur besten Besinnungszeit kurz vor der religiösen Andacht, ein Gespräch mit einem Soziologen ausgestrahlt, der sich mit der Krise und dem Ende des Kapitalismus beschäftigt (Nachzuhören und nachzulesen unter: http://www.deutschlandfunk.de/kapitalismus-alles-kommt-einmal-zum-ende.1184.de.html?dram:article_id=313737; Stand 19.04.2015). ...

  • Vom Streikunrecht der GDL

    Das, was man in Ermangelung eines besseren Begriffs, die selbständige Gleichschaltung der veröffentlichten Meinung genannt werden kann, und die jedem, der nicht mit denselben Scheuklappen, die offenbar die Mehrheit der Journaille trägt, die sogenannte Medienlandschaft auch nur ein wenig beobachtet, auffallen muss, ist ein recht komplexes Phänomen. Es gibt keine politische Instanz, die die Medien ...

  • EONs neue Zweiweltenlehre

    Folgendermaßen begründete diese Woche Herr Teyssen vor der Presse die Aufspaltung von EON: „Warum stellen wir uns so radikal neu auf? Die drastischen Veränderungen der globalen und europäischen Energiemärkte werden anschaulich, wenn wir uns einmal vor Augen führen, wie sich die Wertschöpfung im Energiegeschäft verändert. Bis vor noch nicht allzu langer Zeit war das Energiegeschäft relativ klar und ...

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