Kultur

In Anlehnung an Freud und die ältere Kritische Theorie machen wir die üblichen Unterscheidungen zwischen Kultur und Zivilisation, zwischen Geisteskultur und Technik zwischen Ernstem und Unterhaltung und was es dergleichen sonst noch geben mag, nicht mit. Kultur wird als der Prozess der Emanzipation der Menschen vom Naturzwang verstanden. Dass sie in diesem Prozess sich ein stahlhartes Gebäude der Hörigkeit errichteten, den Zwang, der für sie von der ersten Natur ausging, in die Kultur hinein verlängerten und sich eine zweite, eher noch zwanghaftere Natur statt der ersten schufen, ändert nichts daran, dass man kulturelle Produktionen jedweder Art als Betätigungen ihrer Freiheit begreifen muss, um sie überhaupt begreifen zu können. Wer den Widersprüchen in aller bisherigen Kultur aus dem Wege zu gehen sucht, schlägt einen Holzweg ein.

Die Kehrseite der Verdinglichung oder Naturalisierung der Kultur bildet die heute eher gängige Kulturalisierung aller Lebensbereiche. Da werden dann, weil ja schließlich alles Kultur ist, Jahrmarktschlägereien als Ausdruck einer lebendigen Dorfkultur gefeiert, Ignoranz und Vorurteile wie kulturelle Errungenschaften behandelt und all das, was die Menschen trennt und in Gegensatz zueinander bringt als doch bewahrenswerte kulturelle Unterschiede geheiligt. Die Regression ist so weit fortgeschritten, dass allenthalben die Religionen eine Renaissance erfahren und mit Kultur identifiziert werden.

Tatsächlich sollen auch auf dieser Seite alle möglichen kulturellen Phänomene untersucht werden. Eine Beschränkung des Gegenstandsbereiches ist nicht möglich, sobald es sich um Produkte menschlicher Erkenntnis und Formung handelt. Entscheidend für die Analyse ist dabei, dass der Gegensatz von Kultur und Natur thematisiert und ausgetragen wird, und sie selbst ein Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit darstellt, die ohne die Aufhebung dieses Gegensatzes nicht zu haben sein wird.

 Besprechungen:

Michael Hanecke: Das weiße Band – eine andere Sicht auf den Ausbruch des 1. Weltkrieges

Eine Filmbesprechung von Christian Oswald

Auf die Explosion der Gewalt im ersten Weltkrieg treibt eine Gesellschaft zu, deren innere Gewaltverhältnisse zu implodieren drohen. Das Unheil des Krieges kündigt sich in dem Film in einem kleinen Dorf durch mysteriöse Gewalttaten an, die nicht aufgeklärt werden und deren Täter nie ausfindig gemacht werden können. …

Filmbesprechung_Hanecke_Weisses_Band

Blogbeiträge:

  • Die realistische Kistenrede

    Das Wichtigste in dieser Welt ist der Realismus. Sei, wer du bist. Sei, wie du bist. Und wehe, wenn nicht. In Köln führt dieser Realismus heuer zu demokratischer Nostalgie in Form von Rednerveranstaltungen im Park.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei × 1 =